Buchdetails
Beschreibung
Die Menschen meines Landes sind stolz und distanziert. Aber wenn sie lieben, dann ist es wie lauer Frühlingswind, der in lichten Birkenwäldern um helle Baumstämme tanzt und im zartgrünen Blattwerk das Nahen des Sommers besingt. Wenn wir lieben, dann tun wir es mit Leib und Seele und nichts wird uns jemals trennen, von demjenigen, der sein glühendes Herz uns ganz und gar verschrieb.
Meine Geburtsstadt heißt Minsk. Dort spielte ich in einem Orchester Geige, bevor ich nach Österreich zog. Musik…
Seit sieben Monaten lebe ich in Salzburg. Meine Eltern sind vor drei Jahren bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Meinem einzigen Bruder, Atroscha, hat das Leben ebenfalls übel mitgespielt. Seine Frau ist mit ihren zwei gemeinsamen Kindern und einem anderen Mann durchgebrannt. Troschis gebrochenes Herz griff zur Flasche. Gepanschter Wodka ist billig. Ein paar Wochen später schnitt er sich mit Scherben die Pulsadern auf und nun lebt er in einer psychiatrischen Anstalt. Ich schreibe ihm täglich. Aber er antwortet nicht.
Da ich von etwas leben muss, gebe ich Geigenunterricht. Aber davon kann ich gerade die Miete für meine Einzimmerwohnung bezahlen. Deshalb habe ich mich dem ältesten Gewerbe der Menschheit zugewandt und verkaufe meinen Liebesdienst. Um eine Straßendirne zu werden bin ich zu gebildet und kultiviert. Meine Großeltern waren Deutsche. Deshalb spreche und schreibe ich diese Sprache. Da ich mich nicht unter das Protektorat eines Zuhälters begebe, suchte ich eine andere Nische für meine Dienstleistung. Ich habe sie gefunden. Ich liebe den Menschen. Deshalb führe ich starke Männer, die das Verlangen und den Mut haben, sich fallen zu lassen, in den Schoß ihrer sexuellen Fantasien und Perversionen zurück. Wer sonst, wenn nicht ein starker Mann, könnte es ertragen, sein Innerstes nach außen zu stülpen, seine Urängste im Rausch der Lust und Qual hinauszuschreien, sich vor mir nackt und bloß und so verletzbar zu zeigen, wie es sonst nur die kleinen, flatternden Seelen neugeborener Kinder tun?
Wer sonst könnte es aushalten, mir sein blankes Hinterteil entgegenstrecken und schluchzend, wimmernd darum zu flehen, genommen und geritten zu werden?
Vorurteile kenne ich nicht, denn ich kenne die Seele des Menschen. Ich weiß, dass alles Erdenkliche in ihr möglich ist. Ich bin Russin. Die Männer, die meine Kunden sind, sehnen sich zurück in den Mutterschoß, dem sie einst entsprangen. Sie sehnen sich nach und fürchten sich vor der starken, festen, führenden Hand der strengen Mutter, die sich um ihr Herz schließt, ihre Männlichkeit fasst und tief in ihren weit gedehnten Enddarm dringt. Sie vermissen die Frau, die mit Bestimmtheit ihren Ungehorsam zu bestrafen weiß. Herrin über Leben und Tod, Rachegöttin und Friedensengel. ...